Kriegsgefangenenlager Stalag XVII B

Im Bereich des Flugplatzes Gneixendorf stand im Zweiten Weltkrieg ein Kriegsgefangenenlager. Es war Teil eines großen Komplexes, der ein Militärlager, das Gefangenenlager, ein Lazarett, einen Lagerfriedhof und einen Wasserspeicher umfasste. Von diesem steht die Ruine noch heute östlich von Gneixendorf im Rohrendorfer Feld.

Ende Juni 1939 wurde mit der Errichtung des Militärlagers südwestlich des heutigen Flugplatzes auf einer Fläche von 20 ha begonnen. Zu diesem Zeitpunkt war die Kriegsplanung gegen Polen und Soviet Union voll im Gange. Der Standort des Lagers war strategisch gewählt, denn er lag nahe einer Bahnlinie, von dieser jedoch so weit abgerückt, dass die Konzentration von Truppen und Kriegsgerät nicht übermäßig auffiel.

Am 01. September 1939 begann der Krieg gegen Polen und die Truppen wurden schlagartig in Marsch gesetzt. Wenige Tage später kamen die ersten Kriegsgefangenen in Gneixendorf an. Sie wurden zunächst in großen Zelten untergebracht, und am 29. September 1939 wurde mit der Errichtung des Gefangenenlagers auf einer Fläche von ca. 50 ha begonnen. Insgesamt wurden zwölf mal vier Baracken errichtet, welche von mehreren Reihen Stacheldraht und Wachtürmen umgeben waren. Eine Baracke war für 240 Mann vorgesehen, oft waren jedoch bis zu 400 Männer darin untergebracht. Die gleichzeitige Belegung des Lagers betrug ca. 10.000 Mann, sie umfasste Polen, Belgier, Franzosen, Serben, Russen und ab 1943 auch Soldaten der US-Airforce, zumeist abgeschossene Bomberbesatzungen.

Zum Gefangenenlager gehörten auch viele Außenstellen, welche in Summe mit Gneixendorf 66.000 Mann umfassten. Die Versorgung insbesondere der Russen war sehr schlecht, sodass etwa 2000 Mann starben und im Lagerfriedhof, dem „ Russenwaldl“ begraben wurden. Weiter südlich entstand ein Lazarett für Gefangene auf einer Fläche von 6 ha. Nach Kriegsende im Mai 1945 wurde das Lager zur Gänze abgerissen, an wenigen Stellen sind heute noch Reste von Fundamenten oder Kanalanlagen zu sehen.

Seit den 1960er Jahre besuchen immer wieder ehemalige Kriegsgefangene Gneixendorf  und das Gelände des Stalag 17 B. Heute sind es die Kinder und Enkelkinder der früheren Lagerinsassen, die sich auf Spurensuche ihrer Vorfahren in Gneixendorf  begeben.

Bei der Einfahrt zum Gneixendorfer Flugplatz (am Gelände des Stalag 17 B 1968 errichtet) wurde von französischen Kriegsgefangenen, von amerikanischen Kriegsgefangenen und von der österreichisch –sowjetischen Gesellschaft je ein Gedenkstein errichtet. Weiters wurde anlässlich einer Gedenkveranstaltung im Jahr 1999 vom Kremser Künstler Mag. Gmeiner eine Stahlblechtafel geschaffen und bei der Flugplatzeinfahrt aufgestellt. Aus der Tafel wurde in den einzelnen Muttersprachen das Wort „vergessen“ herausgeschnitten. Weitere 6 Stahlblechtafeln wurden vom Künstler an den ehemaligen Außengrenzen des Lagers platziert. Aus diesen Tafeln ist ein Fragezeichen herausgeschnitten. Dies soll das „Warum“ zu Ausdruck bringen.

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